Tipps für Abfallentsorgung in Indien

12.08.2014

In der Republik Indien will die Regierung bei der Entsorgung von Abfällen einen Wandel einleiten. Das Land sucht Rat, wie sich Abfallstoffe wiederverwenden lassen. Im Entsorgungsunternehmen Jakob Becker GmbH & Co KG in Mehlingen holte sich der indische Generalkonsul Raveesh Kumar gestern Anregungen.


Der Generalkonsul ist in Frankfurt ansässig, sein Amtsbezirk umfasst die Bundesländer Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland. Die Pflege von Wirtschaftsinteressen gehört zu seinem Aufgabengebiet. Auf dem indischen Subkontinent sehen Experten einen hohen Entwicklungs- und damit Investitionsbedarf im Bereich der Abfallentsorgung, denn von einer umweltschonenden Müllentsorgung und -verwertung ist Indien noch weit entfernt. Weit über die deutschen Grenzen hinaus tätig und bekannt ist das Entsorgungsunternehmen Becker. Mit 39 Gesellschaften an 60 Standorten in sieben Ländern könne man über einige internationale Erfahrungen berichten, so die geschäftsführende Gesellschafterin Annemarie Becker. Der Generalkonsul sei an das Unternehmen herangetreten, um Strukturen einer geordneten Abfallentsorgung und einer Wiederverwertung von Abfallstoffen kennenzulernen. „Dazu sind wir gerne bereit“, sagte Annemarie Becker auch im Namen ihres Sohnes Thomas Becker, der ebenfalls als geschäftsführender Gesellschafter im Unternehmen tätig ist. Die Unternehmerin lotete auch Möglichkeiten einer Zusammenarbeit aus. Die Becker-Gruppe sei in etlichen Ländern vertreten, nicht aber im 6000 Kilometer entfernten Indien, scherzte sie.
Prokurist Thorsten Kohl, zuständig für die Finanzen in der Becker-Gruppe, stellte das 1898 in Kaiserslautern gegründete Familienunternehmen mit all seinen bisherigen Generationen und der betrieblichen Entwicklung vor. Dabei erläuterte er zusammen mit weiteren Verantwortlichen die Firmenstruktur und die umfangreichen und vielfältigen Serviceleistungen. Diese reichen von der einfachen Hausmüllabfuhr über das Einsammeln von Gewerbemüll bis hin zur Recyclingaufbereitung.
Etliche Erfahrungen gab Annemarie Becker an den interessierten Generalkonsul weiter. Wichtig sei, so die erfahrene Geschäftsfrau, die Kommunen in die Entsorgungsstrukturen mit einzubinden. Nur dann funktioniere eine geordnete Hausmüllabfuhr und auch die entsprechende Bezahlung der Leistungen. Gerade aus Erfahrungen vom Balkan habe das Unternehmen diese Lehren gezogen. Absprachen und vertragliche Bindungen seien vor die technische Einführung zu setzen, so die geschäftsführende Gesellschafterin.
In Indien, einem Flächenstaat, der mit 3,29 Millionen Quadratkilometer fast zehnmal größer ist als Deutschland, gibt es nach Aussage von Raveesh Kumar zwar eine Müllentsorgung, aber nur in bescheidenem Umfang. Deshalb sei es eine besondere Herausforderung für die Regierung. Man sei sich der großen Aufgabe bewusst, gehe von einem Zeitraum von fünf bis zehn Jahren bis zur endgültigen Umsetzung aus. In diesem langwierigen Prozess will man auch die Verschmutzung des Ganges beheben. Dabei habe man den Rhein als Vorbild, wo sich viele Lebewesen wieder wohlfühlen.
Das Unternehmen Becker in Mehlingen habe man deshalb ausgesucht, weil es als das größte seiner Art in Deutschland gelte. Zudem sei Becker in mehreren ausländischen Staaten präsent. Das funktionierende Familienunternehmen fühle sich dem Mittelstand zugehörig. Deshalb sei es für seine Meinungsbildung auch äußerst wichtig zu wissen, wie ein solcher Betrieb strukturiert sei und agiere.
Er habe imposante Eindrücke gewinnen können, resümierte Kumar nach einem Rundgang durch die Betriebsstätten in Mehlingen und Sembach. Die Trennung der Müllsorten sei für ihn ebenso beeindruckend gewesen wie die eingesetzte Technik. Für das Familienunternehmen Becker sah Reverse Kumar in Indien viel Potenzial, in etlichen Bereichen gebe es die Möglichkeit einer Zusammenarbeit. In einem ersten Schritt könne er sich eine intensive Beratung seines Landes durch das Entsorgungsunternehmen vorstellen. Die geschäftsführenden Gesellschafter Annemarie und Thomas Becker zeigten sich nicht abgeneigt.


Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Pfälzische Volkszeitung
Ausgabe: Nr. 185
Datum: Dienstag, den 12. August 2014
Foto: View

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