Jakob Becker europaweit im Geschäft

18.03.2009

Presseartikel der Rheinpfalz, Ausgabe Nr. 65
vom 18. März 2009
Von Judith Schäfer

Mehlingen. Es gibt nicht viele Länder in Europa, an denen man das kleine rote b mit den Strichen davor nicht früher oder später sieht. Lediglich in die Schweiz und nach Frankreich hat es das Markenzeichen der Jakob Becker GmbH & Co. KG, Mehlingen, bisher nicht gebracht. Ansonsten ist das Unternehmen, wenn es um Entsorgung und Rückgewinnung von Rohstoffen geht, fast flächendeckend im Geschäft.

Das 111. Jahr seines Bestehens wird für das Unternehmen wahrscheinlich das erste, in dem der Umsatz gegenüber dem Vorjahr sinken wird. Mit knapp 300 Millionen Euro lag der im vergangenen Jahr doppelt so hoch wie noch zwei Jahre zuvor. Ein Teil des Wachstums sei organischen Ursprungs gewesen, so Holding-Geschäftsführer Thomas Pfaff, ein Teil aber auch den rasant gestiegenen Rohstoffkosten geschuldet gewesen.

Das, was Jakob Becker einsammelt, muss - überwiegend - angekauft werden. Im Unternehmen wird der „Müll" sortiert, aufgegliedert, als Rohstoff zurückgewonnen und verkauft oder, was gar nicht mehr verwertbar ist, endgültig aus dem Wirtschaftskreislauf genommen. Dabei sammelt die Firmengruppe - bis auf atomare Abfälle - alles ein, was man sich nur denken kann: vom Hausmüll über Papier und Schrott bis zu Bildröhren; von Bioabfall über Bauaushub und -schutt bis zu überlagerten Lebensmitteln, die in Biogasanlagen Energie erzeugen; von Kunststoffen, aus denen die Firmengruppe Blumenkübel und Parkbänke herstellt, über Altholz bis hin zu gefährlichen Abfällen und Munition.

Die wieder gesunkenen Rohstoffpreise sind der Grund, weswegen der Umsatz im laufenden Jahr zurückgehen wird. Dazu kommen, zumindest in den ersten beiden Monaten, rückläufige Abfallmengen aus Gewerbe, Industrie und Bauwirtschaft. Diese haben ihre Ursache in der Konjunkturkrise, aber auch im langen Winter, der sich im Bausektor empfindlich bemerkbar macht. Kurzarbeit sei deswegen zwar diskutiert, aber verworfen worden.

Solange die Gewinn-Marge stimmt, ist die absolute Höhe der Rohstoffpreise für das Unternehmen Jakob Becker unwichtig, betont Pfaff. Aber er unterstreicht: „Wir müssen wachsen." Denn die Margen würden durchweg sinken. Ohne Wachstum also ist der Gewinn nicht zu halten, über den das Familienunternehmen nicht sprechen mag. Im vergangenen Jahr tätigte Becker die beiden bisher größten Zukäufe der Firmengeschichte: einen Flächensanierer in Ludwigshafen mit 125 Mitarbeitern sowie den weltgrößten Schredder für Autos in der Nähe von Udine in Norditalien. 500 Pkw plus 800 Tonnen Schrott pro Tag können darin zerkleinert werden. 10 bis 15 Prozent des Umsatzes investierte die Gruppe pro Jahr in der Vergangenheit. Im laufenden werde man bei den Investitionen aber zurückhaltender sein, so Inhaberin Annemarie Becker.

Das Unternehmen mit heute 2000 Mitarbeitern, von denen 1650 im Inland tätig sind, hat vor 20 Jahren am damals einzigen Standort Mehlingen gerade mal 85 Menschen beschäftigt, die 15 Millionen DM umsetzten. Dann kam mit der europäischen Verpackungsverordnung und mit der politischen Wende ein rasanter Entwicklungsschub. Starke Standbeine entstanden in Thüringen und Sachsen beziehungsweise in Brandenburg und Berlin. 33 Firmen mit 55 Niederlassungen zählen zu der in der fünften Generation geführten Gruppe, davon 21 im Inland.

Presseartikel der Rheinpfalz, Ausgabe Nr. 65 vom 18. März 2009
Eine Kopie des Originalartikels finden Sie hier.

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