Energie aus Essensresten

19.05.2009

Lastwagen karren den Müll von Kantinen, Nahrungmittelproduzenten und Discountern nach Büttelborn, damit er dort hygenisiert und zu kleinen Körnchen gehäckselt wird. Die vergären dann in den Biogasanlagen der Umgebung und erzeugen so Energie und Strom. "Heute ist die Abfallwirtschaft ein Zweig, der unbedingt notwendig ist, um den Müll, den wir produzieren, wiederzuverwerten", sagt Horst Gölzenleuchter (Bürgermeister Büttelborn).

Mit der neuen Biolog-Anlage werde dafür nun "ein Rädchen mehr in Büttelborn gedreht". Ein Rädchen mehr "in die richtige Richtung", wie Matthias Lettermann (Jakob Becker Entsorgungs-GmbH), einer der drei Gechäftsführer von bioLOG sagt. Nämlich "im Dienste von Klima- und Ressourcenschutz" und nach den Kriterien der EU-Hygieneverordnung von 2002, derzufolge Speisereste zum Beispiel nicht mehr an Schweine verfüttert werden dürfen, weil sie seit BSE und anderen Tierseuchen als "besonderes Gefährdungspotential" gelten.

Wie es mit den Speiseresten weitergeht, erklärt bioLOG-Geschäftsführer Markus Patsch:
Von der Bodenwanne der Auffangcontainer wird der stinkende Unrat per Förderschnecke in die sogenannte Hammermühle verfrachtet, wo organisches Material von Plastik- und Aluverpackungen getrennt, klein gehäckselt und weiter in vier je 40 Kubikmeter große Tanks gepumpt werden.

Darin wird der Brei mehrere Stunden bei mindestens 70 Grad erhitzt, um alle Keime abzutöten. Fertig ist das Substrat für die Biogasanlagen. Bislang seien erst etwa 65 Prozent der Kapazitäten erreicht, sagt Patsch. Bei voller Auslastung schaffe die Anlage bis zu 1000 Behälter beziehungsweise 70 bis 80 Gewichtstonnen pro Tag. 18.250 Tonnen wären das pro Jahr.

Die bioLOG GmbH ist ein Gemeinschaftsunternehmen des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft und Stadtreinigung der Stadt Darmstadt (EAD), der Meinhardt Städtereinigung und der Jakob Becker Entsorgungs-GmbH, das sich im April 2008 zusammenschloss.
Die Gesellschaftsanteile betragen jeweils ein Drittel, jeder Gesellschafter stellt einen Geschäftsführer.
Die Kosten für den Bau der Speiseresteaufbereitungsanlage auf dem Gelände der Deponie Büttelborn an der Bundesstraße 42 betrugen etwa zwei Millionen Euro, davon 800.000 Euro für die Halle und 1,2 Millionen für die technische Ausstattung.
Die drei Gesellschaften finanzierten das Projekt gemeinsam ohne Fremdkapital.

Quelle:
Frankfurter Rundschau - FR-online.de
Erscheinungsdatum 12.05.2009 | Ausgabe: r3s | Seite: r3s-027-1205-0.pdf

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