"Das ist meine Heimat"

19.03.2013

Ein Arzttermin nach dem anderen, dazwischen Fernsehauftritte, Interview. Bahnradweltmeisterin Miriam Welte nimmt sich nach der Rückkehr von der WM in Minsk und dem schweren Sturz viel Zeit für die Familie, genießt das Leben in Otterbach und Kaiserslautern und reist mit ihren Medaillen zu Terminen. Gestern war das Mitglied des RSC Kaiserslautern bei der Firma Jakob Becker in Mehlingen, hat mit Geschäftsführerin Annemarie Becker Pläne geschmiedet und im Gespräch mit RHEINPFALZ-Redakteurin Maria Huber ein paar Fragen beantwortet.

Medaillen, Sieg, Jubel – Sturz, Verletzung, Ungewissheit. Sie sind hart gelandet nach dem Sieg bei der Weltmeisterschaft. Konnten Sie überhaupt feiern?

Der Sturz trübt die Freude natürlich. In Minsk hatte ich keine Zeit zum Feiern. Ich hatte am nächsten Tag wieder einen Wettkampf, da ging es früh ins Bett. Wir wollten alle zusammen am Abend Party machen. Die ganze Mannschaft war unterwegs, ich war im Bett, um mich auszukurieren. Am 28. März wird jetzt aber der Empfang nachgeholt.

Hat Sie die Familie zuhause weich aufgefangen?

Meine Schwestern waren die ersten drei Tage da, haben alle Termine abgesagt und telefoniert. Ich konnte wirklich nichts machen. Am Wochenende war ich mit vier Freundinnen im Wellnesshotel. Badewanne, Massagen. Ich bin viel gelegen, habe Musik gehört, mich erholt. Das hat gutgetan.

Dieselben Freundinnen, mit denen Sie nach dem Olympiasieg relaxt haben?

Ja, wir kennen uns schon ewig. Eine Freundin kenne ich seit der Grundschule. Mit der habe ich zusammen Leichtathletik gemacht. Wir machen viel zusammen, auch wenn wir alle in ganz Deutschland verteilt sind.

Was bedeutet Ihnen Kaiserslautern und Otterberg?

Das ist meine Heimat. Ich bin gerne hier, trainiere hier. Ich bin jetzt bis September hier, abgesehen von den paar Tagen, die ich zu Wettkämpfen unterwegs bin. Ich trainiere mit den Nachwuchsfahrern am Heinrich-Heine-Gymnasium. Die sind ein bisschen jünger, fahren ein bisschen schneller, aber das passt ganz gut.

Wohnen Sie, wenn Sie hier sind, zuhause?

Ja, ich habe, seit meine Schwestern ausgezogen sind, zwei Zimmer, aber der Platz reicht nicht.

Wegen der Medaillen und Trophäen?

Die hängen im Treppenhaus. Als ich zur Polizei gegangen bin, hatte ich eine Wohnung in Wiesbaden. Die habe ich wieder gekündigt. Im Moment bin ich auf Wohnungssuche.

Hier in der Gegend?

Unbedingt. Kaiserslautern oder Otterbach.

Können Sie noch unerkannt durch die Stadt laufen?

In Otterbach im Supermarkt werde ich schon mal angesprochen. Sie fragen, ob ich die Radfahrerin bin, die bei Olympia Gold geholt hat. Dann hat man einen netten Smalltalk.

Was haben Sie von der Sportlerwahl der RHEINPFALZ mitbekommen, bei der Ihre Schwester Hannah den ersten Preis in Empfang genommen hat, während Sie in Minsk zum Weltmeistertitel gesprintet sind?

Ich habe den Artikel gelesen und mich gefreut, dass ich gewonnen habe und dass es so deutlich war.

Wie geht’s Ihnen gesundheitlich?

Ich habe eine Gehirnerschütterung, Prellungen, der Ellenbogen ist blau und dick. Der Rücken war, das Knie ist offen. Ich habe noch Splitter im Arm, im Rücken. Einen hatte ich in der Wade. Ich hatte Verbrennungen, den Anzug haben sie beim Arzt aufgeschnitten, der Helm war zweimal gebrochen. Die ersten Tage war ich nur im Bett, aber langsam geht’s wieder.

Wann wollen Sie wieder ins Training einsteigen?

Normalerweise hätte ich jetzt zwei Wochen Pause gemacht, dann wieder angefangen. Ich will es dann auch langsam wieder versuchen, je nachdem was geht. Krafttraining wird noch nicht funktionieren.

Welche Wettkämpfe stehen als nächstes an?

Ende Mai ist in Cottbus Sprintcup, dann Grand Prix in Valencia.

Was steht im Moment bei Ihnen auf dem Programm, nach Ihrem Auftritt bei „Flutlicht“ am Sonntag?

Meine Schwester Samira fährt mich jetzt nach Mainz. Ich darf ja noch nicht Autofahren wegen der Gehirnerschütterung. Zuerst geht es zu Sat1, dann live in die Landesschau. Und morgen geht’s für eine Woche mit der Familie in den Urlaub nach Südtirol, Vals im Jochtal. Skifahren darf ich zwar nicht. Da ist die Verletzungsgefahr zu groß. Ich setzte mich dafür in die Hütte und trinke einen Tee. Skifahren kann ich noch mein ganzes Leben. Am 14. März mache ich für zwei Wochen Praktikum in Kirchheimbolanden. Ab April gehe ich erst mal arbeiten bei der Polizei. Ich freue mich schon auf die Einsätze im Stadion.


Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Pfälzische Volkszeitung
Ausgabe: Nr.54
Datum: Dienstag, den 05. März 2013
Foto: View

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