Aus der Presse

20.06.2012

Gerade war sie in Italien und Österreich unterwegs. Kurzer Zwischenstopp im Büro - und schon fährt Annemarie Becker weiter, erst nach Köln, dann nach Nordbrandenburg. Nur eine Momentaufnahme? Nein. Der Job führt die Chefin der Entsorgungsfirma Jakob Becker rastlos immer wieder hinaus an die rund 50 Firmenstandorte, die sich auf acht europäische Länder verteilen. Weichen stellen für die Zukunft, nach Lösungsansätzen suchen, wenn es Probleme gibt oder Ungereimtheiten in der breiten "Müll-Welt". Sie muss sich draußen sehen lassen. Mitunter wünscht sie sich jedoch, einfach nur mal die Füße hochlegen zu können. Tut sie nicht, auch wenn es ihr mit Mitte 70 längst zusteht. Annemarie Becker ist anders. Nur nicht, wenn es um den FCK geht. Da unterscheidet sie sich kein bisschen von den treuen, den waschechten Fans. Von jenen, die nicht von ihrem Verein lassen können, egal was da oben auf dem Betzenberg so passiert. Der Abstieg hat sie enttäuscht. "Das hat mich mitgenommen", nimmt das ehemalige Aufsichtsratsmitglied kein Blatt vor den Mund, um gleich nach vorne zu blicken. "Ich kann nur hoffen, dass neue Gesichter wieder neue Ideen bringen und es aufwärts geht." Ein kleiner Stoßseufzer begleitet auch diese Aussage. Sie war nah dran, keine Dauerkarte mehr zu kaufen, aber es geht nicht ohne. "Mein FCK spielt daheim und ich bin nicht dabei, das konnte ich mir dann doch nicht vorstellen." Also hat sie sich jetzt doch wieder eine Dauerkarte gekauft und wird bei den Heimspielen, wie seit Jahrzehnten schon, im Stadion sitzen. Ein innerliches Muss. Ein berufliches Muss ist derzeit die Lektüre und vor allem die Umsetzung des neuen Kreislaufwirtschaftsgesetzes. Nicht wirklich spannend, aber quasi ihr tägliches Brot. Dazu gehört an den EM-Tagen mit deutscher Beteiligung auch das Sitzen vor dem Fernseher. Am liebsten gemeinsam mit Freunden. Zur Not allein im Hotelzimmer, auf einer ihrer Geschäftsreisen. Public Viewing? Früher, da hätte sie das bestimmt mitgemacht, sagt sie. Heute schaut sie dem runden Leder dann doch lieber etwas geruhsamer hinterher. Die Vorrundenspiele, die waren ganz ordentlich, lässt Becker durchblicken, dass sie die deutsche Mannschaft noch ein bisschen beim Turnier erwartet. Und der Titel? "Hoffen wir!" (thea)

Quelle: Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Pfälzische Volkszeitung
Ausgabe: Nr.141
Datum: Mittwoch, den 20. Juni 2012

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